Katrin

Wilkens

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Katrin studierte Rhetorik und arbeitete als Trainerin in der Weiterbildung.

Seit 2000 schreibt sie als freie Journalistin für Spiegel, Zeit, FA, Nido u.v.a. Worin sie wirklich gut ist: Wichtige und weniger wichtige Persönlichkeiten portraitieren, dass sie vor Glück heulen. Oder vor Wut. Kombinieren. Dinge auf den Punkt bringen. In Menschen reinschauen. Besonderheiten entdecken. Zähmung und Bändigung von drei renitenten, liebenswürdigen Honigschnuten sowie einem Ehemann, meist ohne Honig.

 

Gibt es noch mehr als Hirsebrei und „Zehn kleine Zappelmänner“? 

Ich weiß noch genau, wann es angefangen hat, dieses KSG, das Kleine Scheiß-Gefühl, das in einem hochsteigt, obwohl man gerade Mutter geworden ist und eigentlich die Welt voller Rolf Zukowskis hängen müsste. Bei mir kam das Gefühl an einem Dienstag...

Mein Mann kam spät nach Hause. „Ich hatte eine Reanimation“, erklärte er knapp und wusch sich die Hände. Und zwischen Seife abspülen und Hände trocknen wurde mir klar: Ich auch. Genau genommen bin ich eine Reanimation. Seit 4.30 Uhr morgens, seit mein Sohn beschlossen hat, die Nacht zu verachten und den Tag zu ehren. Ich bin nicht mehr lebendig und auch noch nicht tot, aber irgendwo dazwischen, zwischen Leben und Tod und Hirsebrei.

„Ich kann’s nicht mehr hören“, schrie ich. „Du arbeitest. Du hast Patienten. Du bekommst gestrickte Socken zum Dank. Du kannst sogar zu einer Betriebsversammlung gehen, wenn du willst.“ Matthias schaute mich nachdenklich an. Schließlich sagte er: „Willst du die Socken?“

„Ich will mein altes Leben zurück.“ 

Ich habe meinen Mann auf einem Kreuzfahrtschiff kennengelernt, wir waren beide beruflich dort – er als Dialysearzt, ich als Spiegel-Reporterin. Ich verdiente 5000 Euro mehr als er. „Professionell“ war damals mein Lieblingswort. Heute ist es „niedlich“. „Ich habe heute einen neuen Supermarkt ausprobiert“, sagte ich matt und: „Zieh das Hemd aus, da ist auch Blut dran.“

Blöderweise habe ich vom KSG nichts gelernt. Innerhalb von vier Jahren krochen drei Kinder durch unsere Wohnung – und ich auf dem Zahnfleisch. Ja, die Kinder haben mich reicher gemacht. Aber auch hungriger. Nachdem ich von beiden Honigtöpfen genascht habe, will ich beides: Beruf und

Bibi Blocksberg.

Ich habe ’zig Rhetorikkurse gehalten, Bewerbungsschulungen durchgeführt und soziale Kompetenz unterrichtet – also habe ich mich in muttermilchsauren Nächten lehrbuchhaft immer wieder selbst motiviert: du wirst wieder arbeiten, du wirst wieder arbeiten … Als mein Mann eines Tages sah, dass ich sogar in meinen alten Seminarunterlagen „Flirten leicht gemacht für Jedermann“ las, sagte er: „Du musst wieder arbeiten.“

Wenn mich früher Redaktionen buchten, dann wollten sie den anderen Blick. Ich war nicht hip, nicht lässig oder cool. Aber ich konnte Situationen und Menschen erfassen. Und weil ich meine Stärken UND Schwächen alle mit Kosenamen anreden kann, fällt es mir auch bei anderen nicht schwer, sie im Wesen zu erkennen. Mein erster Lehrmeister hat mir eingetrichtert: Wenn du andere langweilig findest, liegt das nur an deiner beschränkten Wahrnehmungsgabe. Heute gebe ich ihm Recht: Kein Mensch ist langweilig. Nur macht man sich nicht immer die Mühe, bei anderen das Interessante herauszulocken.

 

In „doofe Pupsmami“ kann viel Potential stecken. In Betriebsversammlungen aber auch.

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